Dark Net

Melanie Köhler

Ein verborgenes Reich an Kriminalität oder eine Sphäre für persönliche Freiheit?

Das Web 2.0 ermöglicht Nutzerinnen aktiv Inhalte im Netz zu kreieren und zu teilen und Informationen nicht nur passiv zu beziehen. Konsumentinnen haben damit einen Raum bekommen, um sich selbst zu präsentieren, miteinander in Kontakt zu treten und zu interagieren. Das Internet entwickelte sich im Zuge des sogenannten Web 2.0  zu einem wechselseitigen „Mitmachmedium“.

Die Entstehung dieses Webs 2.0 hat dabei eine Menge positiver Aspekte mit sich gebracht: globale Vernetzung, einfachere Kommunikationstechniken, rasche und unkomplizierte Aktualisierung von Informationen, Informationsaustausch – um nur einige davon zu nennen. So suchen allerdings auch etliche Personen Gleichgesinnte, mit denen sie sich in Internetforen, Blogs oder sozialen Netzwerken über ihre Gefühle und Interessen austauschen, Propaganda verbreiten, Personen rekrutieren oder Anweisungen bereitstellen können. Dieser Teil des Internets, welcher einen weit größeren Bereich als das herkömmliche Web ausmacht, wird Deep Net, Tor oder Onionland genannt. Es kann in der Regel von gängigen Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder Bing nicht erfasst werden und gehört keinen gebührenpflichtigen Datenbanken an. Um die Größe dieses Bereichs zu verdeutlichen: etwa 96 Prozent aller im Internet befindlichen Informationen liegen im Dark Net, während lediglich 4 Prozent für die Öffentlichkeit sichtbar sind.

Zugleich hat sich dadurch auch ein „Reich unheimlicher Freiheit, in dem man Drogen, Waffen, Killerdienste und Kinderpornografie kaufen kann“, oder sich zu illegalen Organisationen zusammenschließen kann, entwickelt, wie der Schriftsteller Clemens Setz als einer von vielen anmerkt. Einige Beispiele aus dem Dark Net können folgendermaßen aussehen: Will man eine Persönlichkeit aus dem Politik- oder Wirtschaftssektor aus dem Weg schaffen, und soll der Tathergang wie ein Unfall aussehen, kann eine Mörderin umgerechnet für etwa 250.000 Euro engagiert werden. Als Auftraggeberin kann man dabei die Todesart selbst auswählen. Mit weniger Geld in der Tasche kann man über das Dark Net auch andere Gewalttaten, wie Bombenanschläge oder Vergewaltigungen organisieren. Will man Drogen wie LSD, Crystal Meth, Kokain oder andere Suchtmittel kaufen, bietet das Deep Web viele Möglichkeiten dafür. Ein Gramm Koks kann über BitPharma für etwa 0,13 Bitcoins  erworben werden. Sollen E-Mail- oder Facebook-Konten gehackt werden, kann man den Einkauf schon mit 200 Euro abschließen.

„Etwa 96 Prozent aller im Internet befindlichen Informationen liegen im
Dark Net, während lediglich 4 Prozent für die Öffentlichkeit sichtbar sind.“

Um in die Tiefen dieses sogenannten Dark Nets zu gelangen, muss in der Regel eine eigene Software, wie beispielsweise der Tor-Browser, verwendet werden. Das bedeutet, dass zwar der Browser selbst mit herkömmlichen Suchmaschinen gefunden und heruntergeladen werden kann, der tatsächliche Zugriff allerdings über spezielle Zugänge erfolgt. Über gängige Suchmaschinen findet man außerdem eine Vielzahl an Tutorials oder Webseiten, die genaue Step-by-step-Anleitungen liefern, wie man sich dann tatsächlich im Dark Net fortbewegen oder Host einer eigenen Webseite werden kann. Das Dark Net bietet seinen Userinnen im Vergleich zum “herkömmlichen” Web eine stärkere Möglichkeit sich unter dem Mantel der Anonymität zu verstecken. Nutzerinnen haben es demnach viel schwerer die Identität oder den Standort des Gegenübers ausfindig zu machen, wenn dieser anonym bleiben will. Anonymität herrscht im Dark Net auch bei Social Networking Seiten, wie beispielsweise einer Seite, der Professor W. Gehl (University of Utah), das Pseudonym DWSN gibt. DWSN kann man sich von der Funktionsweise her ähnlich wie Facebook oder Twitter vorstellen. Jedoch folgt sie sehr strengen Datenschutzbestimmungen, um die Anonymität der Userinnen zu bewahren. So weist die Social Networking Seite extra auf folgendes hin: “In order to protect everyone’s privacy, you have to protect yourself. You can do this by not giving out any personal information. No personal emails. No real names. No specific location information”.

Wie bei einem zweischneidigen Schwert stellt sich schließlich auch hier die Frage: Ist das Dark Net tatsächlich so dunkel oder fällt hier auch Licht in den Schatten?

Hinsichtlich der Argumentation des Dark Nets stoßen zwei Seiten aufeinander: Einerseits, die weitaus dominantere
Ansicht, einer Konzeption des Dark Web als Raum für illegale
Aktivitäten. Andererseits die Idee, dass das Dark Net eine geschätzte liberale Freiheit, die Redefreiheit, bewahren kann. Neben der vorherrschenden Meinung, das Dark Web sei ein Bereich, der nützlich für Pädophile, Mörder, Junkies, Terroristen und andere sei, beginnen immer mehr Internet-Userinnen ohne gesetzeswidrige Absichten diesen Teil des Webs zu verwenden. Zwischen den Jahren 2012 und 2014 konnte ein starker Nutzungsanstieg verzeichnet werden, was teils auf die Enthüllungen von Edward Snowden über die NSA- und GCHG-Überwachung im Internet zurückgeführt wird. Unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes stellt dies eine positive Entwicklung dar, da eine größere Anzahl an Tor Userinnen bedeutet, dass einerseits mehr Verkehr/Austausch herrscht, andererseits sich mehr Identitäten in diesem Raum verschleiern. Das Dark Net bietet Journalistinnen, Aktivistinnen und anderen Personen, die Möglichkeit, trotz der Überwachung des Internets durch den Staat, frei sprechen zu können. Wollen beispielsweise Personen Missstände in Firmen oder Behörden aufdecken, schüchtern gesetzliche Regelungen, wie die Vorratsdatenspeicherung, diese darin ein. Das Dark Web ermöglicht solchen Menschen hingegen, dass sie Hinweise liefern und Datensätze anonym hochladen können und sich somit unter dem Schutzmantel der Anonymität verstecken können. Von einer anonymisierenden Software wie Tor es ist, kann somit jeder profitieren, der sich von seiner Identität distanzieren will. So verwenden beispielsweise Opfer, die häusliche Gewalt erfahren, das Dark Net als Mittel zur Kommunikation, da sie sich dort unter dem Deckmantel der Anonymität verstecken können und die Interaktion beziehungsweise ihr Standort von ihren Missbraucherinnen schwieriger nachverfolgt werden kann. Aber auch chinesische Dissidentinnen oder Freiheitskämpferinnen im arabischen Frühling verwenden Tor.

Schon alleine der Begriff Dark Web löst in manchen von uns ein seltsames Unbehagen aus, da er oftmals mit einem kriminellen, brutalen, abnormen und illegalen Bereich verbunden wird, um den wir gerne einen großen  Bogen machen. Das Dark Net bietet denjenigen, die sich zu solchen Verhaltensweisen und Handlungen hingezogen fühlen, unendlich viele Möglichkeiten sich in diesem Reich auszuleben, sich darüber zu informieren oder davon zu berichten. Doch es ermöglicht andererseits den Menschen auch, ihre Meinung frei zu äußern, sich im Schutz der Anonymität vor realen Gefahren zu verstecken, indem sie sich von ihrer eigenen Identität entfernen können und hier Unterschlupf finden. Aus diesem Grund ist es bei einer Abhandlung um und über das Web unumgänglich, dieses immens kontroverse Tabu-Thema zu beleuchten und darüber zu schreiben, da kein Aspekt alleinige Gültigkeit besitzt. Gut oder böse? Schwarz oder Weiß? Es ist hier schwer zu urteilen und daher soll dieser Artikel jeden dazu ermutigen, über folgende Frage zu diskutieren: Ist das Dark Web ein verborgenes Reich an Informationen und Kriminalität oder eine Sphäre an persönlichem Schutz und Freiheit?

Beitrag teilen:
Melanie KöhlerDark Net

Ähnliche Artikel

2 comments

Kommentiere den Artikel
  • Eve Hunt - 1. November 2018 reply

    „It’s an amazing article designed for all the internet people; they will take
    benefit from it I am sure“

  • Ross Alisha - 2. November 2018 reply

    Nicely written and very informative. I never paid much attention to the darknet but you really opened my eyes to it. Nice job! Upvoted

Join the conversation